Wer eine Steckdose anschließen möchte stößt in Deutschland schnell auf ein dichtes Netz aus Vorschriften, Normen und Haftungsfragen die auf den ersten Blick einschüchternd wirken können. Und das aus gutem Grund: Fehlerhafte Elektroinstallationen gehören zu den häufigsten Brandursachen in deutschen Haushalten und Spannungen über 42 Volt gelten als für den Menschen lebensgefährlich. Gleichzeitig ist der Wunsch nachvollziehbar eine defekte Steckdose selbst zu tauschen oder eine neue Steckdose dort einzubauen wo man sie wirklich braucht. Dieser Artikel erklärt was erlaubt ist, was nicht, welche Normen gelten, wie der Anschluss Schritt für Schritt funktioniert und worauf man bei verschiedenen Steckdosentypen besonders achten muss.
Was darf man in Deutschland selbst machen und was nicht
Bevor man Werkzeug in die Hand nimmt ist die wichtigste Frage ob man überhaupt berechtigt ist selbst an der Elektroinstallation zu arbeiten. In Deutschland regelt der Paragraph 13 der Niederspannungsanschlussverordnung NAV eindeutig dass Arbeiten an elektrischen Anlagen im sogenannten Netzanschlussbereich ausschließlich von zugelassenen Elektrofachkräften durchgeführt werden dürfen. Das betrifft alle festen Hausinstallationen insbesondere solche die direkt mit dem Stromnetz des Hauses verbunden sind. Das Tauschen einer defekten Steckdose gegen eine baugleiche Steckdose am selben Anschluss gilt dabei rechtlich und versicherungstechnisch als Grauzone die jeder für sich selbst einschätzen muss. Wer eine völlig neue Steckdose setzt neue Kabel verlegt oder in den Sicherungskasten eingreift bewegt sich klar im Bereich der Elektrofachkraft und sollte einen Elektriker beauftragen. Die Kosten dafür sind gut angelegtes Geld denn fehlerhafte Eigeninstallationen können im Schadensfall zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.
Die wichtigsten VDE-Normen beim Steckdose anschließen
Wer professionell oder als informierter Laie an Steckdosen arbeitet sollte die grundlegenden deutschen Normen kennen die den Rahmen jeder Elektroinstallation vorgeben. Die wichtigste Grundlage ist die DIN VDE 0100 die als umfassende Normenreihe alle Anforderungen an Niederspannungsanlagen in Deutschland regelt. Für die konkrete Installation von Steckdosen sind besonders DIN VDE 0100-520 zur Kabelverlegung sowie DIN 18015-2 zur Mindestausstattung von Wohngebäuden relevant. Für Unterputzdosen gilt zusätzlich die Norm DIN 18015-3 und für Installationsrohre die DIN EN 61386. Steckdosen selbst müssen das VDE-Prüfzeichen oder ein gleichwertiges Prüfsiegel tragen was sicherstellt dass sie die Mindestanforderungen an Berührungsschutz, Materialqualität und Belastbarkeit erfüllen. Für Außensteckdosen gilt mindestens Schutzklasse IP44 um Spritzwasserschutz zu gewährleisten während Badezimmer je nach Zone noch strengere Schutzanforderungen haben.
Das richtige Werkzeug für die Arbeit an Steckdosen
Wer berechtigt an einer Steckdose arbeitet braucht das richtige Werkzeug nicht nur für ein sauberes Ergebnis sondern vor allem für die eigene Sicherheit. Das wichtigste Werkzeug ist ein zweipoliger Spannungsprüfer der vor Beginn jeder Arbeit an allen Kontakten des Stromkreises geprüft werden muss. Ein einfacher Phasenprüfer reicht dabei ausdrücklich nicht aus weil er nur einen Pol prüft und gefährliche Spannungen an anderen Kontakten unentdeckt lassen kann. Weiterhin werden ein Abisoliermesser zum Entfernen der Kabelisolierung, ein Schraubenzieher mit isoliertem Griff, eine Flachzange sowie eventuell ein Kreuzschlitzschraubenzieher benötigt. Wer an Unterputzdosen arbeitet braucht zusätzlich einen Hammer und einen Meißel oder eine Stichsäge für Leichtbauwände. Sparmaßnahmen beim Werkzeug sind im Bereich Elektroinstallation keine gute Idee weil schlecht isoliertes Werkzeug im Ernstfall brechen kann und damit das Risiko eines Stromschlags deutlich steigt.
Die fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik
Bevor irgendjemand an einer Steckdose arbeitet müssen die fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik aus der Normenreihe DIN VDE 0105 lückenlos eingehalten werden. Diese Regeln existieren nicht als bürokratische Pflicht sondern als bewährter Schutz vor lebensgefährlichen Unfällen. Die erste Regel lautet freischalten was bedeutet dass der betreffende Stromkreis am Sicherungskasten vollständig abzuschalten ist. Im Zweifel sollte dabei der gesamte Sicherungskasten abgeschaltet werden. Die zweite Regel verlangt das Sichern gegen Wiedereinschalten was bedeutet dass die abgeschaltete Sicherung mit einem Hinweiszettel oder einem Vorhängeschloss gesichert werden muss damit niemand den Stromkreis versehentlich wieder aktiviert während man arbeitet. Die dritte Regel ist das Feststellen der Spannungsfreiheit mit dem zweipoligen Spannungsprüfer an allen relevanten Kontakten. Die vierte Regel umfasst das Erden und Kurzschließen was bei Hochspannungsanlagen relevant ist und im Haushaltsbereich oft entfällt. Die fünfte Regel schließlich ist das Abdecken benachbarter unter Spannung stehender Teile um versehentliche Berührungen zu vermeiden.
Kabelfarben und ihre Bedeutung beim Steckdose anschließen
Das richtige Verständnis der Kabelfarben ist beim Steckdose anschließen absolut grundlegend weil Verwechslungen im besten Fall zu einem Kurzschluss und im schlimmsten Fall zu einem lebensgefährlichen Stromschlag führen. In Deutschland und der gesamten Europäischen Union gilt seit der Einführung der Harmonisierungsnormen eine einheitliche Farbkodierung für Installationskabel. Der braune Leiter ist der Außenleiter also die Phase und wird in der Steckdose mit dem Klemmenzeichen L verbunden. Der blaue Leiter ist der Neutralleiter und wird an der Klemme mit dem Zeichen N angeschlossen. Der grün-gelbe Leiter ist der Schutzleiter auch Erdung oder Erdleiter genannt und wird an die Klemme PE angeschlossen. Bei älteren Installationen die vor der Harmonisierung verlegt wurden können abweichende Farben vorkommen insbesondere schwarz für die Phase und grau für den Neutralleiter was beim Tausch einer alten Steckdose besondere Aufmerksamkeit erfordert. Im Zweifel immer mit dem Spannungsprüfer messen bevor man etwas anschließt und niemals auf Vermutungen verlassen.
Schritt-für-Schritt: Steckdose richtig anschließen
Der erste Schritt ist immer das vollständige Freischalten des betreffenden Stromkreises am Sicherungskasten mit anschließender Prüfung der Spannungsfreiheit an allen Kontakten der zu bearbeitenden Steckdose. Erst wenn der zweipolige Spannungsprüfer an allen Kontakten keine Spannung mehr anzeigt darf weitergearbeitet werden. Im nächsten Schritt wird die alte Steckdose durch Lösen der Befestigungsschrauben am Tragring vorsichtig aus der Unterputzdose gezogen ohne an den Kabeln zu ziehen. Die angeschlossenen Kabel werden fotografiert oder beschriftet bevor sie gelöst werden damit die korrekte Zuordnung beim Wiederanschluss sicher ist. Dann werden die Kabel soweit nötig neu abisoliert wobei die graue Außenummantelung um mehrere Zentimeter und die Isolierung der einzelnen Adern um die am Tragring angegebene Länge von etwa einem Zentimeter entfernt wird. Die einzelnen Adern werden nun in die entsprechenden Klemmen der neuen Steckdose eingeführt und festgezogen wobei besonderes Augenmerk auf einen festen Sitz ohne freiliegende blanke Kupferdrähte gelegt wird. Der Steckdoseneinsatz wird dann vorsichtig in die Unterputzdose zurückgeklappt und mit den Befestigungsschrauben am Tragring fixiert bevor Abdeckrahmen und Abdeckplatte wieder aufgesetzt werden. Zum Abschluss wird die Sicherung wieder eingeschaltet und die neue Steckdose mit einem geeigneten Gerät auf Funktion geprüft.
Unterputzdose und Hohlwanddose: Die wichtigen Unterschiede
Beim Setzen einer neuen Steckdose kommt es entscheidend auf den Wandtyp an weil für massive Wände und Leichtbauwände unterschiedliche Dosen verwendet werden. In massiven Außenwänden oder Betonwänden werden Unterputzdosen eingesetzt die in ein ausgefrästes oder gestemtes Loch eingesetzt und mit Gips fixiert werden. Diese Arbeit ist aufwendig erfordert einen Stemmhammer oder eine Fräse und erzeugt erheblichen Staub weshalb guter Atemschutz unerlässlich ist. Für Leichtbauwände aus Gipskarton oder Hohlbauwände gibt es spezielle Hohlwanddosen die durch das Loch in der Wand geführt und mit Spreizklammern von innen an der Wand befestigt werden ohne dass man von der anderen Seite Zugang haben muss. Die Mindestabstände beim Setzen neuer Unterputzdosen sind in den VDE-Vorschriften geregelt und schreiben unter anderem vor dass die Dose mindestens 15 Zentimeter vom Boden und 20 Zentimeter von der nächsten Steckdose entfernt sein muss.
Steckdosen in besonderen Bereichen: Bad, Außenbereich und Küche
In Feuchträumen wie Badezimmern und Außenbereichen gelten deutlich strengere Anforderungen an Steckdosen als in normalen Wohnräumen weil die Kombination aus Wasser und Strom besonders gefährlich ist. Im Badezimmer werden Installationszonen definiert die bestimmen welche Art von Elektroinstallation wo erlaubt ist. Zone 0 ist der Bereich innerhalb der Wanne oder Dusche wo keinerlei elektrische Installationen erlaubt sind. Zone 1 ist der Bereich direkt über der Wanne bis zu einer Höhe von 2,25 Metern wo nur spezielle Schutzkleinspannungsgeräte mit SELV zugelassen sind. Zone 2 erstreckt sich 60 Zentimeter um Wanne und Dusche herum und erlaubt Steckdosen nur wenn sie einen besonderen Spritzwasserschutz aufweisen. Außerhalb dieser Zonen sind Steckdosen im Badezimmer erlaubt müssen aber zwingend über einen Fehlerstromschutzschalter RCD mit einem Auslösestrom von maximal 30 Milliampere abgesichert sein. Für Außensteckdosen ist mindestens Schutzklasse IP44 vorgeschrieben wobei IP55 oder höher für besonders exponierte Standorte empfehlenswert ist.
Häufige Fehler beim Steckdose anschließen
Selbst erfahrene Heimwerker machen beim Steckdose anschließen immer wieder dieselben vermeidbaren Fehler die im besten Fall zu einem Kurzschluss und im schlimmsten Fall zu einem Brand führen können. Der häufigste Fehler ist das Arbeiten ohne vorherige Spannungsfreiheitsprüfung weil man glaubt die richtige Sicherung abgeschaltet zu haben ohne es zu verifizieren. Ein weiterer klassischer Fehler ist das Verwechseln von Phase und Neutralleiter besonders bei älteren Installationen mit nicht standardisierten Kabelfarben. Zu kurz abisolierte Kabelenden führen zu schlechtem Kontakt und damit zu gefährlicher Wärmeentwicklung am Anschlusspunkt. Zu lang abisolierte Enden hingegen lassen blanke Kupferdrähte im Inneren der Steckdose frei die bei Berührung mit dem Metallgehäuse einen Kurzschluss verursachen können. Lockere Schraubanschlüsse die nicht fest genug angezogen wurden erzeugen ebenfalls Übergangswiderstände die sich über Zeit erhitzen. Und schließlich wird häufig vergessen nach Abschluss der Arbeit eine ordentliche Funktionsprüfung durchzuführen bevor die Steckdose in Betrieb genommen wird.
Kosten und Alternativen zum Selbermachen
Wer sich entscheidet einen Elektriker zu beauftragen sollte mit realistischen Kosten rechnen die je nach Region und Aufwand stark variieren können. Der einfache Tausch einer vorhandenen Steckdose durch eine Elektrofachkraft kostet in Deutschland in der Regel zwischen 50 und 150 Euro inklusive Anfahrt und Material. Das Setzen einer vollständig neuen Steckdose mit Kabelverlegung kann je nach Aufwand zwischen 150 und 500 Euro kosten besonders wenn Stemmarbeiten in massiven Wänden notwendig sind. Diese Investition lohnt sich in jedem Fall wenn man bedenkt dass eine fehlerhafte Eigeninstallation im Schadensfall zum vollständigen Verlust des Versicherungsschutzes führen kann und im schlimmsten Fall Menschenleben gefährdet. Wer regelmäßig kleinere Elektroarbeiten im Haus hat profitiert davon einen zuverlässigen lokalen Elektriker zu kennen der bei Bedarf schnell helfen kann und dabei die ordnungsgemäße Ausführung aller Arbeiten garantiert.
FAQs
Darf ich als Privatperson eine Steckdose selbst anschließen? Laut Paragraph 13 der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen Arbeiten an festen Hausinstallationen nur von zugelassenen Elektrofachkräften durchgeführt werden. Der einfache Tausch einer defekten Steckdose gilt als Grauzone, neuinstallationen gehören in Fachhand.
Welche Kabelfarben haben Phase Neutralleiter und Schutzleiter in Deutschland? Braun ist die Phase, blau ist der Neutralleiter und grün-gelb ist der Schutzleiter. Bei älteren Installationen können abweichende Farben vorkommen, daher immer mit dem Spannungsprüfer messen.
Was muss ich vor dem Anschließen einer Steckdose unbedingt prüfen? Die Spannungsfreiheit mit einem zweipoligen Spannungsprüfer an allen Kontakten. Ein einfacher Phasenprüfer reicht nicht aus. Erst wenn an keinem Kontakt Spannung angezeigt wird darf weitergearbeitet werden.
Welche Steckdose brauche ich im Badezimmer? Steckdosen im Badezimmer außerhalb der Schutzzonen müssen über einen Fehlerstromschutzschalter RCD mit maximal 30 Milliampere Auslösestrom abgesichert sein und einen ausreichenden Spritzwasserschutz aufweisen.
Was kostet es eine Steckdose vom Elektriker anschließen zu lassen? Der Tausch einer vorhandenen Steckdose kostet in Deutschland in der Regel zwischen 50 und 150 Euro. Das Setzen einer komplett neuen Steckdose mit Kabelverlegung kann je nach Aufwand zwischen 150 und 500 Euro kosten.
Welches VDE-Prüfzeichen sollte eine Steckdose haben? Steckdosen sollten das VDE-Prüfzeichen oder ein gleichwertiges Prüfzeichen wie GS oder CE tragen. Für Außensteckdosen ist mindestens Schutzklasse IP44 vorgeschrieben.
Was passiert wenn ich eine Steckdose falsch anschließe? Falsch angeschlossene Steckdosen können Kurzschlüsse, Überhitzung und Brände verursachen. Im Schadensfall kann außerdem der Versicherungsschutz erlöschen wenn nachgewiesen wird dass die Installation nicht normgerecht ausgeführt wurde.






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